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Studie: Krebs ist bei Muscheln ansteckend

12. 07. 2016

Wie eine US-amerikanische Studie jetzt nachgewiesen hat, können sich Muscheln bei Artgenossen mit Krebs anstecken. Dabei fanden die Forscher heraus, dass der Krebs sogar zu einer anderen Art wechseln kann. Die Ergebnisse zeigten eine bemerkenswerte Fähigkeit von Tumoren, ihr eigenes Überleben und ihre Verbreitung sicherzustellen, heißt es in der Studie. Bei Menschen sind Krebserkrankungen bislang nicht ansteckend.

US-amerikanisches Forscherteam

Michael Metzger von der Columbia University in New York und sein Team hatte drei Arten von Muscheln genauer untersucht: eine Miesmuschel-Art (Mytilus trossulus), die Gemeine Herzmuschel (Cerastoderma edule) sowie die Goldene Teppichmuschel (Polititapes aureus). Eine Krebserkrankung äußert sich bei den Muscheln durch einen Überschuss an großen, veränderten Zellen im Kreislaufsystem. Die Hämolymphe, ein Gemisch aus Blutzellen und Lymphflüssigkeit, der an Krebs erkrankten Tiere erscheint verdickt und undurchsichtig, das Gewebe der Tiere verstopft nach und nach mit Krebszellen.

Forschungsprojekt mit verschiedenen Muschelarten

Für die Forschungsarbeit sammelten die Wissenschaftler an verschiedenen Gebieten in Spanien und Kanada Muscheln der drei Arten und bestimmten an Krebs erkrankte und gesunde Tiere. Anschließend analysierten die Forscher das Erbgut der Krebszellen sowie des normalen Gewebes. So konnten sie feststellen, dass bestimmte genetische Merkmale im erkrankten und im gesunden Gewebe nicht übereinstimmten. Dagegen fanden die Wissenschaftler in den Tumoren verschiedener Tiere die gleichen Merkmale. Michael Metzger und sein Team zogen daraus die Schlussfolgerung, dass eine Übertragung der Krebszellen zwischen einzelnen Tieren möglich sei.

Krebs überträgt sich bei Muscheln artenübergreifend

Die Forscher fanden sogar in den Krebszellen einer Muschelart - der Goldenen Teppichmuschel - die genetische Signatur einer anderen Art - die der Getupften Teppichmuschel (Venerupis corrugata). Überraschenderweise war bei dieser Art im Freiland noch keine Erkrankung an Krebs festgestellt worden. Das Forschungsteam von Michael Metzger vermutet daher, dass die Getupfte Teppichmuschel im Verlauf der Evolution einen Weg zur Bekämpfung von Krebs gefunden und dieser daraufhin auf eine andere Art gewechselt hat: „Unsere Versuche legen nahe, dass die Übertragung ansteckender Krebszellen ein weit verbreitetes Phänomen in der marinen Umgebung ist“, schreiben die Wissenschaftler.

Üblicherweise ist ein Tumor auf eine Art beschränkt, die Übertragung zwischen Arten ist nach bisherigem Kenntnisstand die Ausnahme. Inzwischen sind acht ansteckende Krebslinien bei Tieren bekannt, davon findet sich eine bei Hunden, zwei beim sogenannten Tasmanischen Teufel, einem Beuteltier und fünf bei Muscheln.

Was bedeutet das für die Krebsübertragung beim Menschen?

Elizabeth Murchison von der University of Cambridge in Großbritannien schreibt in einem  Kommentar zu der veröffentlichten Studie: Das Potenzial von Krebszellen, zu freilebenden, infektiösen Agenzien zu werden, werfe eine Frage auf: was bedeutet diese Erkenntnis für die Ansteckung von Krebs beim Menschen? Bisher sei eine Übertragung von Krebs von Mensch zu Mensch in seltenen Fällen zum Beispiel nach Organtransplantationen oder in der Schwangerschaft beobachtet worden. Dabei habe es sich aber jeweils um Einzelfälle gehandelt, die nie über die beteiligten zwei Personen hinausgingen.

FN